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Als eingefleischter Petrolhead waren Elektrofahrzeuge für mich bisher ein Tabu, ein Sakrileg, angereichert mit Vorurteilen und vielleicht sogar Ängsten. Aber ein Mann hat sich der Gegenwart zu stellen, um die Zukunft nicht zu verpassen und so mache ich mich auf zu Kia, um einen Kia Soul EV als Testfahrzeug auszufassen. Der Kia Soul EV gilt sowohl als schickes, als auch ausgereiftes Elektrofahrzeug, was Kia mit der selbstbewussten 7 Jahres Garantie unterstreicht und mir erste Hoffnung gibt, mein Elektroabenteuer gut zu überstehen.

Mein Kia Soul EV steht in einer Wiener Tiefgarage, auffallend lackiert in Caribbean Blue mit weißem Dach als fescher Kontrast. Hoch ragt er auf, ohne in den Dimensionen zu entgleiten, ein SUV-Crossover ohne SUV-typischen Nachteilen, aber mit dem schlagenden Verkaufsargument, nämlich der erhabenen Sitzposition.

Kia Soul EV

Ohne Bücken, Zwicken oder Zwacken gleite ich, nein betrete ich den Kia Soul EV, angemessen für einen Mann nach der Midlife-Crisis, allein der Hut fehlt, der aber dem betont jugendlichen Charakter des Soul entgegenstehen würde. Den Kia Soul EV bekommt man in der Ausstattungsvariante AC, was schon Vollausstattung bedeutet, oder in der Variante AC/DC, die nicht nur als witzvolle Hommage an Angus Young, Bon Scott und „For those about to Rock“ zu verstehen ist, sondern auf den zusätzlichen DC, also Gleichstrom, Ladeanschluss bis 100kWh hindeutet.

Ich setzte mich auf heiz- und kühlbare Ledersitze, freundlich und klar das Ambiente. In alter Tradition verzichte ich auf das Lesen der Betriebsanleitung, doch alles ist dort, wo es sein soll, selbsterklärend, kein Unterschied zur automobilen Tradition. Leise ist es in der Garage, kein Mensch, der mich beobachtet. Ich drücke den Starter, das System fährt blitzschnell hoch und prüft sich selbst. Weiter passiert nichts, außer, dass alle Displays auf „Go“ sind, außer mir, der noch auf „Hold“ programmiert scheint. Den Shifter auf R, und wie von Geisterhand rollt der Wagen aus dem Parkplatz, Shifter auf D und wir gleiten lautlos aus der Garage. Ich freue mich, ein erster Erfolg, wir fahren.

Eine erste Gerade, ich drücke das Gaspedal (oder soll ich Stromzufuhrregler sagen?) sanft durch und der Kia Soul EV liefert das, wovon ich gelesen und gehört hatte, nämlich druckvolle Beschleunigung, wie an einem Gummiband gezogen, keine Unterbrechung, kein Ton, kein Zaudern. Fast verschreckt gehe ich vom Pedal, um das zweite Gesicht kennenzulernen. Der Wagen verzögert stark, allein durch das Unterbrechen der Stromzufuhr, der Motor wird zum Generator und lädt die Batterie durch die kinetische Energie der bewegten Masse, genannt Rekuperation. So ist der Kia Soul EV bei umsichtiger Fahrweise fast allein durch das rechte Pedal zu fahren, die Bremsen werden nur bei stärkerer Verlangsamung benötigt.

Zentral im Display habe ich mir die maximal mögliche Reichweite positioniert, quasi der Belzebub der elektrischen Mobilität und eines meiner anfänglichen Bedenken in Bezug auf ein Elektroauto. Die neue Lithium-Ionen-Polymer Batterie mit 30kWh Kapazität ermöglicht aber eine Reichweite von bis zu 250km, der Verbrauch des 81,4 kW starken Motors konnte auf 14,3 kWh pro 100km gesenkt werden. In alter Währung sprechen wir von einer Leistung von 110PS und einem knackigen Drehmoment von 285Nm. Daher rührt also meine Fahrfreude, der Spaß mit meinem Kia Soul EV.

Tanken

Das Display zeigt mir eine Restreichweite von 140km, für einen Warmduscher wie mich Zeit zu tanken. Gut, dass das Navi alle E-Tankstellen in der Nähe kennt, sowie einfach und selbsterklärend zu bedienen ist. Ich entscheide mich für eine E-Tankstelle der Wien-Energie in der Gumpendorferstraße, die Tanke-App von Wien Energie gibt mir das grüne Licht eines freien Platzes undicht parke den handlichen Wagen.

Jetzt gilt es meine Zweifel bezüglich des Tankens auszuräumen und Haltung zu bewahren. Das Ladekabel aus dem Kofferraum, Zugang zum Stecker im Auto öffnen, Ladekabel anstecken und das andere Ende mit der E-Tankstelle verbinden. Jetzt nur noch die Tankkarte an die Station halten und der Kia Soul EV beginnt im Takt von AC/DC mit der Ladestation um die Wette zu blinken. Der Ladevorgang wird von mir erfolgreich eingeleitet und es fließen 11kW „High Voltage“ pro Stunde in meinen fröhlichen Kia Soul EV. Nachdem das Parken an E-Tankstellen während des Ladevorgangs gratis ist, nütze ich gleich die Zeit für einen Einkauf und einen Espresso, kopfschüttelnd ob meiner vollkommen unbegründeten Zweifel. Einmal Benzin tanken ist jedenfalls wesentlich komplexer, als Strom in ein Elektroauto fließen zu lassen.

Das Entkoppeln geht genauso einfach. Kabel im Kia entriegeln, abziehen, dann das Kabel von der Station nehmen und verstauen, fertig!
An einer 11kWh Station soll der Kia Soul EV also in rund 3 Stunden vollgeladen sein, wie schnell es an einer Schnellladestation mit 50kWh geht, könnt ihr euch selbst ausrechnen, aber aufpassen: Wie beim Handy sind die letzten 20% die langsamsten!

Kosten

Nachdem ich also immer noch keinen Haken finden konnte, wende ich mich den Kosten zu. Ein Kia Soul EV ist mit rund 32.000 EUR Anschaffungspreis vielleicht kein Discount, wird aber bundesweit mit bis zu EUR 4.500.- gefördert. Euer Verhandlungsgeschick einmal unberücksichtigt, befinden wir uns für diesen SUV-Crossover mit 110PS und 285Nm mitten in der Konkurrenz von benzin- und auch dieselgetriebenen Fahrzeugen. Davon ziehen wir jetzt noch die geringeren Wartungskosten ab, weil ja keine Öle zu ersetzen sind, keine Ketten gespannt und gewartet werden müssen und ein Elektromotor generell wartungsärmer betrieben werden kann. Hinzu fügen wir die sensationelle 7 Jahres Garantie von Kia (150.000km) und den Vorteil der geringeren Betriebskosten.

Die Kosten des Ladens an einer 11kW Station beispielsweise der Wien-Energie beträgt von 0800-2200 Uhr EUR 1,60.- die Stunde plus EUR 0,20 pro Kilowattstunde, von 2200-0800 Uhr EUR 0,16 die Stunde und EUR 0,20.- pro Kilowattstunde.

So kostet eine Vollladung für 250km Reichweite unter Tags rund EUR 11.-, in der Nacht nur EUR 6,50.-, was bei Nachtladung dann Kosten von rund EUR 2,60.- für 100km macht. Über den Daumen also die Hälfte bis zu einem Drittel von vergleichbaren Fahrzeugen.

Und als finales Argument liefert die Wien-Energie 100% erneuerbaren Strom an ihre Ladestationen. Keine Emissionen, keine Abgase, kein Lärm, 100% Spaß.

Fazit

Ich bin geläutert, in zweit Tagen vom Saulus zum Paulus konvertiert. Ich habe es gesucht, das Haar in der Suppe. Gefunden habe ich Mobilität ohne Reue, ein praktisches und fröhliches Fahrzeug, das dann auch noch verdammt viel Spaß gemacht hat. Auch wenn man den Kia Soul EV geradezu sportlich fahren kann, entspringt meine Freude aber auch anderen Aspekten.

Ich habe mich dem Fortschritt geöffnet, der Zukunft der Mobilität, und es hat nicht weh getan. Nicht die Askese habe ich gefunden, sondern ein ausgereiftes Konzept für die Zukunft, eingebettet in logistische Lösungen im Zeitalter der Digitalisierung, ökologisch und am Ende auch kostenschonend.

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