Elektromobilität

Der Kia e-Soul brilliert im EMC Test

30.04.2019

Elektroauto im Test: der Kia e-Soul wird genau unter die Lupe genommen!

Liebe Elektroauto-Fans: 2019 wird ein spannendes Jahr für euch. Das Angebot an Elektroautos, welche weniger als 50.000€ kosten und über 400 km Reichweite aufzeigen, wächst kontinuierlich. Der neuste Zuwachs zu dieser Familie ist unser Kia e-Soul, welcher mittlerweile nur noch in der rein elektrischen Variante angeboten wird. Das neue Gefährt hat Kia Österreich dem EMC nun eine Woche lang geliehen und auf Herz & Nieren testen lassen. Auf dem Weg nach Attergau mit Start in Wien wurde in Klosterneuburg, Krems und Linz zwischengestoppt. Nach kurzem Stopp in Straß im Attergau, wo das erste EMC Kompetenztreffen in Kärnten stattfand sowie einem Stopp im Schloss Steyregg, wo das monatliche OÖ Kompetenztreffen abgehalten wurde, ging es den ganzen Weg wieder zurück nach Wien. Auf einer Strecke von insgesamt 1.600 km konnte das Auto also genau unter die Lupe genommen werden.

Mit dem Kia e-Soul kommt somit das dritte Elektroauto aus dem Kia / Hyundai Konzern, welches mit demselben altbewährten Antriebsstrang angetrieben wird wie seine Vorgänger: der Hyundai Kona und der Kia e-Niro. Der e-Niro bietet mit 20cm mehr Länge, mehr Platz im Kofferraum und auf den Rücksitzen mehr Platz als der Kona und der e-Soul.

In Hinblick auf die technischen Daten sowie die Abmessungen, unterscheiden sich der Kia e-Soul und der Hyundai Kona jedoch nur wenig. Bei genauerem Betrachten können dennoch klare Unterschiede festgestellt werden: Der Kona wird einzig in der Top-Ausstattung und Level 5 mit Akkustärke 64 kWh angeboten. Im Vergleich dazu kann der e-Soul in vier unterschiedlichen Ausstattungsvarianten, von Titan über Silber und Gold bis Platin, erworben werden. Für die Testphase wurde das Platin Modell als Variante geprüft. Außerdem kann beim Motor zwischen 39,2 kWh und 110 kW Motor (136 PS) und 64,0 kWh Akku und 150 kW Motor (204 PS) gewählt werden. Mit einem Einstiegspreis von 34.990€ (bei kleinem Akku) ist der Kia e-Soul das preiswerteste der drei Autos.

Kia e-Soul

Die am wahrscheinlich häufigsten gestellte Frage betrifft die Reichweite des Autos. Im Testzyklus der WLTP wurden mit dem großen Akku (64,0 kWh) bis zu 452km und mit dem kleineren Akku (39,2 kWh) bis zu 277km erreicht. Ein weiteres Feature ist die aktiv gesteuerte Akkutemperatur. Sollte der Akku doch eine schnelle Fahrt oder Schnellladung warm werden, setzt eine automatische Kühlung ein. Zusätzlich wärmt eine ein- und ausschaltbare Winterfunktion den Akku bei eisigen Temperaturen. Fahrzeuge mit einem 64 kWh Akku besitzen standardmäßig eine Wärmepumpe, um eine effizientere Heizung und Kühlung zu gewähren. Wie erwartet lässt die Ausstattung des e-Souls keine Wünsche offen. Von geheizten und belüfteten Ledersitzen, über eine Lenkradheizung sowie ein Head-Up-Display (HUD) bis zu weiteren zahlreichen Assistenzsystemen ist alles vorhanden.

Dem markanten, kantigen Design vom Vorgängermodell bleibt Kia bei dem neuen Auto großteils treu und auch die beliebten Zweifarblackierungen werden noch immer angeboten. Die schmalen Scheinwerfer an der Vorderseite des Fahrzeugs verraten, dass bei diesem Modell Voll-LED Technik verwendet wird. Obwohl die Länge des Fahrzeuges nur um 6cm erweitert wurde, konnte der Kofferraum deutlich vergrößert werden. Dessen Volumen erhöhte sich von 281 – 891 Liter auf beachtliche 315 – 1.339 Liter und bietet in Kombination mit dem kantigen Baustil auch genügend Platz für sperriges Ladegut. Außerdem wurde der Kofferraum mit einem zweiten Boden ausgestattet und bietet somit ein geräumiges Fach, in dem Ladekabel und sonstiges Zubehör verstaut werden kann. Falls dieser Stauraum nicht benötigt wird, kann der Boden auch wahlweise nach unten versetzt werden. Die gerade Dachlinie sorgt für ausreichend Kopffreiheit, was im Test mit zwei problemlos hinter einander sitzenden, fast 2 Meter großen EMC Testern bewiesen wurde. Ident zum großen Bruder, dem Kia e-Niro wurden dieselben Technik und Multimediasysteme eingebaut. Der 150 kW Elektromotor zeigt enorme Stärke und hat auch bei hoher Geschwindigkeit noch ausreichend Reserven, um auf der Autobahn flott zu überholen.

Ein praktisches Feature bietet der Spurhalteassistent, welcher bei Start sofort aktiviert wird. Sobald Bodenmarkierung erkannt werden, wird das Elektroauto in die Mitte der Spur gelenkt. Zusätzlich wurde ein verkehrsabhängiger Tempomat sowie ein Totwinkelassistent eingebaut, welcher mit Hilfe einer optischen Anzeige im Seitenspiegel, im Head-Up-Display und akustisch Alarm schlägt.

Das Navigationssystem, welches ab der Ausstattung Silver mit 10,25“ Display und 7 Jahren Kartenupdates ausgestattet ist, ist einfach zu bedienen, bietet eine übersichtliche Anzeige und lässt unkomplizierte Zwischenstopps zu.  Das Mobiltelefon kann über Android Auto oder Apple Caplay mit dem Multimediadisplay verbunden werden. Das Display bietet eine ausführliche Übersicht der Ladesäulen auf der Strecke bzw. in der Nähe und zeigt auch, ob es sich um AC- oder um DC-Ladepunkte handelt. Dieses Feature wurde vom Testteam als besonders hilfreich angesehen. Die Mittelkonsole bietet mit 2x USB und 1x 12V genügend Stromanschlüsse.

Das Multimediasystem bietet neben FM, DAB und Radio auch die Möglichkeit Audiodateien über USB Sticks, Mobiltelefone oder Bluetooth abzuspielen. Der Sound wurde von den Testern sehr gut bewertet. Praktisch ist, dass Handys über eine induktive Ladeschale, welche als offenes Fach ausgeführt wird und dadurch besser zugänglich ist als im e-Niro, ganz einfach aufgeladen werden können.

 

Die Rekuperationspaddles auf der linken und rechten Seite des Lenkrades lassen den Fahrer wahlweise den Grad der Rekuperation einstellen. Die Bremsleistung des Motors kann optional auch automatisch an die jeweilige Fahrsituation angepasst werden. Die automatische Rekuperation hat, bis auf ein paar Stellen im Kreisverkehr oder auf Überlandstrecken wo etwas mehr Bremsleistung erwünscht wäre, meistens sehr gut funktioniert.

Alle relevanten Informationen sind auf den elektronischen Armaturen hinter dem Lenkrad übersichtlich aufgelistet und werden auch direkt auf dem Head-Up-Display (in der Platin-Version standardmäßig eingebaut) eingeblendet. Es wird neben der aktuellen- sowie der maximalen Geschwindigkeit der Totwinkelwarner, der Spurhalteassistent, der Abstandstempomat sowie das Navi und die Änderungen der Multimediaeinheit eingeblendet. Das Head-Up-Display wurde bei der Testfahrt als sehr praktisch empfunden. Beim Fahrmodus kann zwischen Sport, Normal, Eco oder auch Eco+ gewählt werden. Die Verbrauchswerte der Testfahrt wurden im Eco-Modus erreicht. Sowohl im Überland als auch auf der Autobahn oder in der Stadt liegt der e-Soul gut auf der Straße. Was bei der Testfahrt wirklich überzeugt, ist die Reichweite des Elektroautos. Im Vergleich mit dem Nissan Leaf mit 30 kWh Akku, welcher auf derselben Strecke in Klosterneuburg bereits zwischengeladen werden musste, zeigt der Kia e-Soul auf der Westautobahn mit einer Geschwindigkeit von 120 km/h noch eine bemerkenswerte Restreichweite von 273km an (Außentemperatur 8°, Auto auf 22° beheizt). Dieser Wert ist ident mit jenem der Testfahrt mit dem e-Niro Anfang des Jahres (Außentemperatur um die 0°).

Bei erhöhtem Tempo kommt es angesichts des kantigen Baustils zu einem deutlich höheren Verbrauch. Unterwegs Richtung Krems liegt der Verbrauch auf der Schnellstraße S5 bei Tempo 120 zwischen 20 und 24 kWh/100km. Im Vergleich dazu, erreichte man bei Tempo 130 bereits zwischen 27 und 31 kWh/100km. Die Strecke von Klosterneuburg nach Krems und wieder retour wurde mit einem Durchschnittsverbrauch von 19,4 kWh/100km gefahren.Die gesamte Testroute umfasst 1.588 km und wurde mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 18,3 kWh/100 km abgeschlossen. Die Akkuladung hält also auch auf Strecken mit hohem Autobahnanteil mehr als 300 km ohne Zwischenladung durch. Das Vorgängermodell, der Soul EV war mit Typ 1 Ladeanschlüssen sowie CHAdeMO ausgestattet. Mit dem neuen Modell wird eine CCS Ladebuchse ausgeliefert. Diese konnte in den Testversuchen an den CCS Gleichstromladepunkten mit bis zu 76 kW geladen werden. Bei Wechselstromanschlüssen kann das Auto mit bis zu 32A einphasig geladen werden.

Der Kia e-Soul wurde auch bei Dunkelheit auf Landstraße und Autobahn getestet. Hellauf begeistert haben dabei die LED Scheinwerfer, welche die Fahrbahn optimal ausleuchten sowie die Fernlichtautomatik, welche einwandfrei funktioniert hat.  Auch die Bodenmarkierungen werden vom Spurhalteassistent in der Nacht problemlos erkannt und die selbstabblendenden Rückspiegel ermöglichen ein angenehmes Fahren in der Nacht.

Der einzige Wermutstropfen, welcher auf der Testfahrt entdeckt wurde, ist neben der einphasigen AC Ladung die Connectivity. Das „Kia Live“ Feature, welches Informationen zu aktuelle Verkehrsinfos, Wetterinfos, Ladestationsinformationen und POIs bietet, kann nur über WLAN also in der Garage oder auf Rastplätzen aktiviert werden. Wenn keine WLAN Verbindung besteht, kann die Verbindung nur über mobile Hotspots und nicht direkt über das Fahrzeug hergestellt werden.

 

Im Laufe des nächsten Jahres will Kia auch eine App an den Markt bringen, welches den Fernzugriff auf den Ladezustand des Akkus anbietet und Features wie das Heizen und Kühlen aus der Ferne unterstützt. Mit dieser neuen App werden allerding nur die e-Soul Modelle ab Jahrgang 2020 unterstützt.

Abgesehen von dem Problem mit der Connectivity hat der neue Kia e-Soul überzeugt und dem Testteam sehr gut gefallen. In Hinsicht auf Optik, Fahrverhalten und Ausstattung punktet das Fahrzeug in allen drei Bereichen. Die reale Reichweite ist für Kurz- wie Langstrecken gut geeignet. Kia hat mit dem e-Soul jedenfalls ein sehr gut gelungenes Elektroauto auf den Markt gebracht und das EMC Fazit resultiert klar in einer Kaufempfehlung.

Den vollständigen Testbericht finden Sie unter:
www.emcaustria.at/2019/04/24/kia-e-soul-im-emc-praxistest/