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Die Kreisstadt Udine ist nicht nur lohnendes Ausflugsziel für Shoppaholics, sondern bietet eine Menge auch in Sachen Kultur und Kulinarik. Etwa auf halber Strecke zwischen Klagenfurt und Venedig gelegen, ist die Provinzhauptstadt mit ihren rund 100.000 Einwohnern speziell an den Wochenenden ein beliebtes “Schlechtwetterprogramm”. Wobei die meisten ohnedies nur bis in die Einkaufszentren der Citta Fiera oder auf den Streckenabschnitt Tarcento-Udine der alten Transitstraße kommen, was schade ist, denn so versäumt man die schönsten Seiten der Stadt.

Die zweitgrößte Stadt von Friaul-Julisch-Venezien steht in ständiger Rivalität mit der Hauptstadt der Region, Triest. Daher zieht ein echter Udineser auch den Messagero di Udine selbstverständlich der Triestiner Tageszeitung Il Piccolo vor, die Anhängerschaft der Fußballmannschaft Udinese (bis vor ein paar Jahren auch gesponsert von einem regionalen Kia Händler) ist Ehrensache.

Der Name der Stadt ist zumindest 1.000 Jahre alt und geht auf ein Edikt des Kaisers Otto II. zurück. Eine Ansiedlung gab es aber bereits in vorrömischer Zeit. Mehrere Hundert Jahre herrschten die Venezianer vor Ort, dass sieht man immer noch an der Architektur mit den Stadtplätzen bzw. an den Markuslöwen, die diverse Hausmauern zieren.

So ist auch die Loggia del Lionello durchaus als verkleinerter Dogenpalast zu verstehen. Der Uhrturm gegenüber wiederum erinnert frappant an den in der venetischen Universitätsstadt Padua. Und sogar einen Kanal gibt es, zu erreichen, wenn man ein Durchhaus von der Piazza San Giacomo durchschreitet. Der Kanal ist allerdings weder breit noch tief, erfreut vor allem die Enten und diente ursprünglich der landwirtschaftlichen Bewässerung.

Der Bischofspalast beherbergt zahlreiche Fresken, geschaffen vom venezianischen Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo, entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Doch zurück zum Platz, der eigentlich drei Namen trägt. Laut Plan Piazza Matteotti, San Giacomo, benannt nach der Jakobskirche am Westrand; oder Piazza delle Erbe, da hier zweimal wöchentlich Markt abgehalten wird. Dazwischen empfiehlt sich der sonnenbeschiene Platz mit den vielen Cafés für den morgendlichen Cappuccino nicht weniger, als für den Tajut am Vormittag, Nachmittag und Abend.

Misstrauisch beäugt wird der Triestiner vom Udinesen. Mit einer Ausnahme: in der südöstlichen Ecke des Platzes zeigt das Caffè Hausbrandt, was die berühmte Triestiner Kaffeerösterei kann. Schlechten Kaffee gibt es ohnedies nicht in Italien. Die Rösterei Hausbrandt versteht es aber dennoch immer wieder, als relativ kleiner Produzent, vor allem mit ihren Spezialmischungen Bestmarken zu setzen. Ob kleiner Steh-Espresso, begleitet von oder auch ohne Crémeschnitte, oder ein Packerl für zu Hause, da macht Kaffee immer Freude.

Mehr Auswahl und auch langstielige Gläser finden sich in den zahlreichen Vinotheken rund um die Innenstadtplätze. Reisende und dagebliebene gleichermaßen trifft man im Al Capello an. In der kleinen Bar in der Via Paolo Sarpi wird stehend, sitzend, drinnen und draußen genossen. Das Lokal hat seinen Namen von den zahlreichen, von der Decke hängenden Hüten (ital. Capello) und erfreut seine Gäste nicht nur mit den besten Weinen der Region, sondern auch mit einer Vielzahl von meist fettigen Köstlichkeiten, wie den Lardo (pures Fett), die Pancetta (mit etwas Fleisch durchzogenes Fett), oder die Nerveti (aus Knorpeln hergestellte Knabberei). Das klingt bedrohlich, schmeckt aber trotzdem nach mehr. Wenn’s doch zu viel wird, hält Al Capello über dem Lokal auch ein paar Fremdenzimmer bereit.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Enoteca Ars Bibendum. Die Kunst des Trinkens, so die Übersetzung des Namens, kann man hier gut erlernen. Es gibt die besten Etiketten der Region als offene Weine zum Kosten. Der Prociutto wird hauchdünn auf der Berkel-Maschine aufgeschnitten, an das nicht so ferne Meer erinnert der cremige Stockfischaufstrich “baccalà mantecato”.

Überhaupt finden sich in den Seitengassen zwischen den pittoresken Plätzen unzählige kleinere und größere Cafés, Bars und Tschecherln. Jedes einzelne ist einen Besuch wert. Enorm ist auch die Dichte an kleinen Delikatessengeschäften im Zentrum. Wo andere Stadtkerne veröden, wird hier noch dem Käse und der Wurst, und nicht zuletzt der gepflegten Süßigkeit gehuldigt. Schon allein das erklärt, warum der Tagestourist einiges versäumt.

Für eine Kreisstadt dieses Ausmaßes bietet Udine aber nicht nur an der Front der Kulinarik Überdurchschnittliches. Auch kulturell hat Udine einiges drauf. Neben den venezianischen Akzenten in der Architektur, fällt vor allem das auf dem Hügel in der Stadtmitte thronende Castell auf.

Der Aufstieg ist steil, aber oben hat man nicht nur eine gute Aussicht über die Ebene – bei klarem Wetter glaubt man durchaus auch das Meer zu erahnen, auf dem Hügel weht auch im heißen Sommer ein angenehmer Wind. So kann man sich, nachdem der Hügel erklommen, unter den schattigen Arkaden der kleinen Osteria in der Casa della Contadinanza bei einem Tajut und kleinen friulanischen Spezereien abkühlen.

Das Castell beherbergt ein archäologisches Museum, sowie ein interessantes Photomuseum, wo man anhand der alten Photographien einen deutlichen Eindruck über das entbehrungsreiche Leben im Friaul des 19. und 20. Jahrhunderts gewinnt. Bis zum Erdbeben 1976 galt das Friaul noch als Armenhaus Italiens.

Das andere Ende der Kultur repräsentiert das Museo d’Arte Moderna in der Casa Cavazzini. Das kleine Museum zeigt Kunstwerke der klassischen Moderne, Namen wie de Kooning, Tina Modotti, Roy Lichtenstein und andere finden sich hier wieder. Wechselnde Ausstellungen und Events bereichern den Museumsbetrieb.

Wenn dann das Tageslicht, und damit die meisten der Touristen verschwunden sind, geht sich noch ein Aperitiv am Platz mit den drei Namen aus, und dann darf es ein wohl verdientes Abendmahl sein, mit den friulanischen Evergreens Pasta con Fagioli, Brovada e Muset und einem dampfenden, flaumigen Frico

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